Ich habe mich vor zwei Jahren vorrangig aus gesundheitlichen Gründen für die vegane Ernährung entschieden. Dazu möchte ich vorab erwähnen, dass eine vegane Ernährung nicht per se „gesund“ ist, sondern sie gesundheitsfördernde Eigenschaften haben kann – sofern man sie vollwertig gestaltet und dabei auf möglichst unverarbeitete Lebensmittel setzt.

Und genau das war vor zwei Jahren mein Plan. Aufgrund verschiedener gesundheitlicher Probleme wie z.B. Blähbauch und Darmproblemen, sowie allgemeiner Unzufriedenheit mit meiner Ernährung bin ich auf die vegane Ernährung gestoßen.

Klar ich hätte auch meine zuvor mischköstliche Ernährung ballaststoffreicher und vollwertiger gestalten können. Allerdings brauchte ich wohl etwas, das mich wirklich zu inspirierte, diesmal wirklich etwas entscheidendes anders zu machen. Ich gehöre eher dem Team „alles oder nichts“ an – wenn ich etwas durchziehe dann auch richtig.

Ich bin zwar nicht über Nacht zur Veganerin geworden, sondern habe mir damit über ein halbes Jahr Zeit gelassen, bis ich mich auch nur annähernd als Veganerin betiteln wollte, aber trotzdem fiel es mir durch diese „Vegan-Schublade“ leichter mich gesünder zu ernähren.

Hier sind einige der Dinge, die ich in den letzen zwei Jahren als Veganerin lernen durfte:

Nach einiger Zeit sind Wurst, Käse Fisch & Co. keine Lebensmittel mehr

Ein Phänomen, das sich unterbewusst über die Jahre eingeschlichen hat. Wenn ich einen Supermarkt betrete, nehme ich Produkte tierischen Ursprungs gar nicht mehr wahr. Für mich kommt es überhaupt nicht in Frage, zu tierischen Produkten zu greifen. Sie existieren für mich faktisch gar nicht mehr. Du kannst mir glauben, hätte mir das jemand vor drei, vier Jahren gesagt – ich hätte es nicht geglaubt. Ich und vegan? Neeeee!

Aber heute kann ich sagen: Mir fehlt es an nichts und ich bin glücklicher mit meiner Ernährung, als je zuvor. Dementsprechend habe ich auch keine Gelüste und denke gar nicht mehr an altbekannte, tierische Lebensmittel zurück.

Viele Menschen setzen sich nicht mit dem Ursprung ihrer Nahrung auseinander

Ok gut, so erstaunlich ist das vielleicht nicht. Auch ich habe als Mischköstler gern mal verdrängt, dass da ein totes Tier zwischen meinem Burgerbrötchen liegt. Die vegane Ernährung ist häufig ein Gesprächsaufhänger und sorgt für viele interessierte Fragen. Daraus stammt auch meine Erkenntnis, dass der Großteil der Menschen gar nicht darüber nachdenkt, dass eine Kuh nicht natürlicherweise hunderte von Litern Milch gibt und welche Folgen das Eierlegen für ein Huhn hat. Dazu kommen Fragen wie, ob Nudeln oder Brot denn vegan seien. Ich würde sagen, wir haben noch einiges aufzuholen was den Bereich Bildung im Lebensmittelsektor angeht.

Vegan bedeutet nicht automatisch gesund

Kennst du den Begriff „Pudding Veganer“? Das sind Menschen, die sich zwar vegan ernähren, dabei jedoch vorrangig auf verarbeitete Lebensmittel wie vegane Würstchen, TK-Pizza und Eis setzen. Ja, es war noch nie so einfach sich vegan zu ernähren! Fast jeder Supermarkt und Discounter hat mittlerweile ein Sortiment an veganen Ersatzprodukten, mit denen sich eine mischköstliche Ernährung 1:1 nachbauen lässt. Dass das allerdings nicht unbedingt so viel gesünder sind, als das entsprechende „Original-Produkt“ musste ich erst einmal lernen. Schlussendlich liegt aber die Entscheidung natürlich bei jedem selbst, wie er sich ernährt.

Wenn das Ernährungs-Thema auf den Tisch kommt, werden sich viele rechtfertigen

Und das ist für mich persönlich nicht unbedingt angenehm. Ich habe alle Sprüche schon gehört. Von: „Ich esse ja nur manchmal Fleisch“, bis hin zu: „Das Steak hatte ein glückliches Leben“. Die meisten Menschen lieben Tiere und essen trotzdem Fleisch. Dass das nicht zusammenpasst, wird ihnen genau dann verdeutlicht, wenn ein Veganer vor ihnen sitzt. Ein unangenehmes Gefühl, was ich als friedliebende Person eigentlich nicht entstehen lassen möchte, wenn ich mich mit anderen treffe.

Ich möchte nicht jeden zum Veganismus bekehren. Ich bin fest davon überzeugt, dass es für jeden Menschen einen individuellen Punkt im Leben gibt, an dem er sich dafür entscheiden kann. Und diese Entwicklung, hin zu diesem Punkt, muss jeder individuell durchleben. Ich kann bestenfalls eine Inspiration und ein Vorbild sein.

In dem Moment in dem man sich selbst als Veganer outet, zeigt man seinem Gegenüber, dass auch er etwas besser machen könnte. Aus diesem Grund versuche ich, die Diskussionen rund ums Essen möglichst zu vermeiden. Denn vor allem während dem Essen, sind Gespräche über Schlachthöfe und Tiertransporte für alle beteiligten unangenehm – vielleicht bin ich auch einfach zu wenig extrem dafür.

Alle Tiere sind gleichwertig

Ein Punkt, den ich in den gesamten 26 Jahren meines mischköstlichen Lebens sehr gern verdrängt habe. Und doch habe ich im Nachhinein festgestellt, dass es mich belastet hat.

Der Europäer empört sich gern über das Schlachten von Hunden und Katzen, die bei uns als Haustiere gelten. Isst aber gleichermaßen gern sein Steak, was in Indien wiederum genau so viel Aufregung hervorrufen würde. Nur wir, als Ende der Nahrungskette, bestimmen welches Fleisch gegessen werden darf und welches nicht. Dem einen Vierbeiner geben wir eine emotionale Bedeutung und das andere wird zum Nutztier degradiert. Grundlegend sind aber alle Tiere fühlende Lebewesen und z.B. Schweine sind intelligenter als so mancher Hund. Dieses Phänomen nennt sich Speziesismus und bezeichnet die moralische Diskriminierung von Lebewesen ausschließlich aufgrund ihrer Artzugehörigkeit.

Hunger ist nicht gleich Hunger

Allein darüber könnte ich wohl einen eigenen Blogbeitrag schreiben. Ich habe mich schon viele Jahre mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt und habe dabei einiges ausprobiert: Kalorien zählen, High Carb Low Fat, Low Carb – alles war dabei. Die wohl größte Erkenntnis aus den letzten zwei Jahren als Veganerin ist, dass unser Körper nur ein Signal für Hunger hat, uns damit aber zwei verschiedene Dinge signalisieren könnte: Hunger nach Energie oder Hunger nach Nährstoffen.

In unserer westlichen Ernährung konzentrieren wir uns dabei viel zu oft auf ersteres: Hunger nach Energie. Wir essen Weißmehlprodukte, Zucker und eine Ansammlung an Zusatzstoffen und haben danach immer noch Hunger oder zumindest Appetit. Den aufgenommenen Kalorien zufolge sollte unser Körper damit satt sein. Ist er aber nicht – weil die Nährstoffe fehlen! Dieser Effekt hat allerdings nichts mit der rein pflanzlichen Ernährung zutun. Jedoch esse ich durch diese neue Ernährungsform vermutlich zum ersten Mal in meinem Leben vollwertig und durfte dadurch ein völlig neues Sättigungsgefühl kennenlernen. Das ist also dieses intuitive Essen, von dem alle sprechen?!?